
Es ist nicht so, dass ich mich bewusst entschieden habe, mich an jedem zu rächen, der etwas Falsches sagt oder tut. Genau wie zuvor fiel es mir immer schwer, klarzumachen, dass meine Grenzen deutlich überschritten wurden. Vielleicht wirkten meine Wutausbrüche so, als wäre ich rachsüchtig oder entschlossen, doch das Einzige, was ich wirklich war, war verletzt.
In diesem Beitrag möchte ich keine einzelnen Details oder Namen nennen. Man kann sagen, dass fast jeder eine Liste hat – vielleicht noch unbewusst – mit Menschen, die ihn verletzt oder beleidigt haben. Hier möchte ich darauf hinweisen, dass Verdrängung und Verleugnung keine Vergebung sind. Ich selbst habe in dieser Falle gesteckt und geglaubt, alles gut verarbeitet zu haben. Doch plötzlich gab es einen Konflikt, der zeigte, dass ich nicht mehr funktionieren konnte. Ich hatte nicht wirklich vergeben, sondern nur schmerzhafte Konfrontationen vermieden und mir am nächsten Tag Affirmationen eingeredet, die die Realität verleugneten. Ich lief wie in den Rachen eines Löwen, hielt weiter an dem Glauben fest, dass meine Gefühle nicht stimmen, und machte mit einem erzwungenen Lächeln weiter. Lange Zeit betrachtete ich das als Stärke. Doch irgendwann wurde die Last zu schwer. Dann begann ich, aggressiv zu werden, weil es plötzlich unmöglich war, einfach mal „NEIN“ zu sagen. Wie konnte mich sich wagen, es einfach anders zu behaupten.
Viele Leser denken wahrscheinlich, es geht hier nur um Erfahrungen mit Männern. Doch das ist nicht so. Nach einigen Jahren fühlte ich mich wie eine politische Marionette, die nach jeder Meinung hin- und hergeschoben wurde, ohne dass ich selbst zählte. Jetzt nehme ich ein paar tiefe Atemzüge. Ich habe so viel gelitten, dass ich mir endlich vorerst verzeihen kann. Indem ich das hier veröffentliche, befreie ich mich vom Schweigen – das wünsche ich jedem Menschen. Ich empfinde viel mehr als nur Liebe, Motivation und Zufriedenheit. Tatsächlich habe ich mich all die Jahre nie wirklich geliebt oder zufrieden gefühlt. Auf eine paradoxe Weise war ich sogar fähig, mich selbst ins Verderben zu treiben. Ich wollte einfach nicht zugeben, dass ich leide, dass ich mir etwas anderes vorgestellt hatte und dass ich Unterstützung brauche. Jahrelang kam es mir nicht über die Lippen, weil ich mich zu sehr schämte, Niederlagen erlebt zu haben. Stattdessen verdrängte ich alles lieber und redete überall davon, dass ich mit allem zufrieden sei – doch dadurch änderte sich tatsächlich nichts, oder doch…
Wenn ich meine alten Bilder anschaue, fällt mir auf, wie dünn, blass und fast unsichtbar ich damals wirkte. Dadurch konnte ich meine psychischen Grenzen nicht richtig einschätzen, denn ich wurde immer wieder in sehr niedrige soziale Schichten gedrängt. Trotzdem redete ich mir ständig ein, dass das in Ordnung sei. Was hat diesen Teufelskreis schließlich durchbrochen?
Meine körperliche Grenze wurde auf eine Weise überschritten, die mich zum Schreien und in blinde Wut versetzt hat. Diese Wut brennt schon seit Jahren in mir, doch jetzt ist alles anders. Ich muss nicht mehr mit dem Finger zeigen und sagen, dass genau DU es warst. Ich weiß jetzt, dass du mit deinem eigenen Gewissensbissen und Schuldgefühl weiterlebst – und wahrscheinlich wirst du es genauso verdrängen, wie ich einst meine Grenze verleugnet habe.
Und bereue ich diese Wut nicht!
Die Wut hat mein Leben gerettet, und das ist keine Übertreibung. Selbst ich verstehe vieles nicht… Warum habe ich so lange gewartet? Worauf? Jeder wollte mich lieber loswerden, weil ich zu viele Probleme hatte oder meine Krankheit ausgenutzt wurde. Genau… Nach vielen Jahren wurde klar, dass meine Unfähigkeit, Worte in Taten umzusetzen, auf meine psychische Erkrankung zurückzuführen ist. Doch wie viel Leid musste ich ertragen, bevor das diagnostiziert wurde? Die Menschen haben mich lieber schikaniert und selbst verurteilt, anstatt mich einfach zum Arzt zu bringen. Niemand ahnte, dass ich Angst hatte.
Aber ob ich dadurch jemandem vergebe? NEIN. Ich vergebe nicht! Und nur wegen dieses Ausdrucks wird man schon als aggressiver Mensch wahrgenommen!
Denn in der heutigen Gesellschaft stirbt man lieber still, als laut um das eigene Leben zu kämpfen. So ist es nun mal, weil man sich sorgt, was die anderen sagen, wenn man nicht „intelligent“ genug ist, um alles allein zu schaffen. Für mich ist das eher ein Zeichen von Dummheit. Dieses Streben danach, zufrieden und intelligent zu wirken, obwohl man eigentlich nicht mehr man selbst ist, sondern nur noch eine Nachbildung der Vorstellungen irgendeines Professors. Liege ich da wirklich falsch? Ich denke nicht…
Und ja, genau deshalb bin ich eine starke Frau: weil ich meinen eigenen Weg gehe, nicht blind Befehle befolge, sondern… jetzt wird es ernst… meinem Herzen folge.
Ich bin lieber klar und entschlossen, sicher in meiner Meinung und überzeugt von meiner Existenz und Bedeutung.
Ich bin, ich lebe und habe eine Bedeutung – auch wenn dieser Begriff für manche zu abstrakt erscheint.
So kann man ebenfalls eine entschlossene Frau werden. Danke, dass Sie meine ersten Gedanken gelesen haben. Mein Tipp: Es ist völlig legitim und ethisch richtig, dem Bösen nicht zu vergeben. Jeder hat das Recht dazu.
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