Eine Gruppe von Freunden sitzt gut gelaunt an einem Holztisch in einem Café und unterhält sich lebhaft bei Kaffee und Gebäck.

Ich kann mit manchen Missverständnissen oder negativen Impulsen immer noch nicht gut umgehen. Deshalb habe ich unter anderem diesen Blog ins Leben gerufen. Es geht mir hier keineswegs darum, Hass gegen bestimmte Personen zu schüren, sondern um eine logische Aufarbeitung von Ereignissen, die mich persönlich verletzt oder überrümpelt haben.

Ich fange vielleicht damit an, dass ich einen auffälligen Akzent habe. Das führt leider sehr oft dazu, dass meine Kenntnisse missachtet werden. Ich bin zwar noch jung, aber das ist keine Rechtfertigung dafür, wie sich manche Menschen mir gegenüber verhalten und wie sie mich dadurch dauerhaft einschränken- obwohl ich fachlich und menschlich einiges vorzuweisen habe. Man kann mir wahrlich nicht nachsagen, dass ich nicht auch eine scharfe Zunge hätte. Das Einzige, was ich manchmal bereue, ist, dass ich mich in solchen Momenten überrümpeln lasse, anstatt selbstbewusst und sofort klarzustellen, wie falsch der Angreifer liegt.

Ich erzähle erst einmal eine Geschichte, die mir einfach keine Ruhe lässt, obwohl schon fast ein Jahr vergangen ist und sie eigentlich banal erschienen mag:

Ich habe eine Therapie begonnen, um mich ein wenig vom sprachlichen beziehungsweise beruflichen Druck zu erholen, meine Identität wieder aufzubauen und wieder auf sie stolz sein zu können. Ja, ich bin stolz drauf, aus Polen zu kommen und meine Muttersprache immer noch sehr gut zu beherrschen, obwohl ich nun schon seit 11 Jahre im Exil lebe.

Mit diesem Gefühl im Herzen, wie wertvoll meine eigene Sprache ist, saß ich an einem Tisch gegenüber einer freundlich aussehender Frau. Sie hatte sich zuvor mit einer anderen Polin unterhalten. Beide wirkten sehr zufrieden, und ich dachte mir: Schön, das bedeutet, dass diese Frau nicht so voreingenommen ist wie viele ältere Deutsche. Ups- wie falsch ich mit dieser Einschätzung lag!

Wir fingen ein Gespräch an. Sie sprach sehr leise und undeutlich, aber ich konnte sie gut verstehen, da sie eine sehr einfache Sprache nutzte- keine Fachbegriffe, kein Sonderwortschatz, keine Neologismen. Ich hätte sie als einfache Frau vom Land bezeichnet.

Eigentlich passierte gar nicht viel. Ich erzählte ihr lediglich von meinem Abschluss, da sie mich fragte, welche Ausbildung ich gemacht hatte. Ich antwortete: „Ich habe Germanistik studiert, das ist bisher meine einzige Ausbildung.

Auf einmal wurde sie rot, sichtlich irritiert, und meinte belehrt zu mir, dass ein Studium doch keine Ausbildung sei! Ich war völlig aus der Fassung. Ich erklärte ihr, dass sich der Begriff „Ausbildung“ übergeordnet sowohl auf ein Studium als auch auf die Schule bezieht und nicht nur auf den handwerklichen und betrieblichen Berufsweg.

Daraufhin wurde ich auf eine sehr unangenehme Art gescholten: Mir wurde abgesprochen, überhaupt nicht richtig Deutsch zu verstehen. Danach saß ich eine Woche lang wie gelähmt da un versuchte zu verarbeiten, was da eigentlich passiert war.

Ich war im Recht. Ich stützte mein Wissen schließlich auf fundierte Definitionen (wie etwa aus dem Gabler Wirtschaftslexikon) und nicht bloß auf eine oberflächliche Google-Suche. Trotzdem wurde ich entwertet und mir wurde jegliche soziale Glaubwürdigkeit abgesprochen.

Zusammenfassend schreibe ich es heute nieder, weil ich die Situation noch einmal genauer analysiert habe – auch, weil ich deswegen immer noch Alpträume habe und nicht schlafen kann. Ja, so viel kann ein einziger rhetorischer Angriff anrichten. Es liegt meist mehr an der Art und Weise als an den bloßen Wortwahl. Viele Deutsche googeln ihr eigenes Deutsch und finden dort oft nur die Alltagdefinition, dass eine „Ausbildung“ eine duale Berufsausbildung sei, anstatt in ihre eigenen Fachwörterbücher zu schauen oder logisch nachzudenken. Es hätte schon gereicht, nicht so voreingenommen zu sein und zu bedenken , dass ein Studium ebenso aus Praktika, Prüfungen und Theorie besteht- was genau der Definition des Wortes „Ausbildung“ entspricht.

Aber keineswegs! Ich wurde zurückgewiesen und ausgegrenzt, nur weil manche Menschen ihre engstirnigen, fast schon diskriminierenden Vorstellungen von „Hochdeutsch“ durchsetzen wollten. Hätten sie sich jemals ernsthaft mit der Vielfalt unserer Sprache auseinandergesetzt, wäre es nie zu einer solchen Fehlbehandlung gekommen. Dann hätten sie verstanden, worum es ging – ganz ohne dass ich es hätte erläutern müssen, nur um dann auch noch respektlos niedergeschrien zu werden.

Ohnehin waren sie für echtes Hochdeutsch gar nicht bereit.

Es erschüttert mich nach wie vor, mit wie viel Respektlosigkeit manche Menschen das Fachwissen anderer anzweifeln, obwohl ihnen jegliche eigene Kompetenz auf diesem Gebiet fehlt. Eine bloße Herkunft berechtigt noch lange nicht dazu, die sprachlichen Fähigkeiten anderer herabzusetzen – vor allem, wenn es einzig um Beleidigungen statt um konstruktive Förderung geht. Fundierte Ethik ist das Resultat eines Studiums und unterscheidet sich grundlegend von dem, was gemeinhin als bloßer Anstand verstanden wird. Unter diesen Bedingungen fällt es enorm schwer, dem alltäglichen sozialen Druck standzuhalten und sich frei zu äußern, ohne sofort diskreditiert zu werden. Es ist schlichtweg traurig.


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